Pfarrstadel

Trotz der heutigen einheitlichen Erscheinung besitzt der Unterkirchberger Pfarrstadel eine bewegte Baugeschichte.
Im ursprünglichen Zustand ist der heutige Bau nur ein etwa mittiger Bestandteil des Südflügels der zusammenhängenden dreiflügeligen Hofumbauung des 1763 und 1764 neuentstanden Pfarrhofes. Stall, Tenne und Barn im Erdgeschoß, ungeteiltes Obergeschoß und wohl auch das Dachwerk jener Zeit haben sich noch weitgehend ungestört im heutigen Bestand erhalten, einschließlich der Einwölbung des Stalles und der beiden großen Tennentore. Die Befensterung der heute noch vorhandenen nördlichen und südlichen Traufwand stimmt weitgehend mit dem damaligen Zustand überein, Abweichungen lassen sich über Baubefund und historische Pläne nachvollziehen.

Frühe Umbauten, die sich gegenwärtig, ohne das Vorliegen einer dendrochronologischen Datierung, nicht genauer datieren lassen, betreffen dann den Einbau der Hängewerkkonstruktion im Dachbereich, mit der die Herausnahme der Innenstützen des Obergeschoßbereiches möglich wurde.

Eine tiefgreifende Veränderung des Pfarrhofes erfolgte im 19. Jahrhundert, als im Jahr 1863 die westseitigen Bauteile und die südöstlichen Bauteile abgebrochen wurden und der Pfarrstadel auf seine heutigen Abmessungen reduziert wurde. Sowohl das Pfarrhaus im Osten als auch der Pfarrstadel im Süden wurden damit zu separaten, nicht mehr baulich miteinander verbundenen Baukörpern. Im Zuge dieser Einkürzung des Stadels entstanden dessen beide Giebelwände, während es ansonsten im Inneren nur zu wenigen Veränderungen kam. Auch das Äußere des Baues wurde nur wenig modifiziert, indem einzelne Fenster neu eingefügt, einzelne Fenster verkleinert und etwa die westliche Stalltür durch ein Fenster ersetzt wurde. Rückfront und Giebelscheiben wurden mit geputzten Lisenen versehen und formal aneinander angeglichen. Dadurch erhielt der Bau seine heutige Außenerscheinung, die trotz der vermeintlichen klassizistischen Strenge noch weitgehend das Gestaltungsprinzip des barocken Baues überliefert.

Zeitlich nicht sicher einzuordnen, aber möglicherweise im Zusammenhang mit den Umbauten von 1863 zu sehen, sind die mutmaßliche Erneuerung des Deckengebälkes über der Tenne und vielleicht auch über dem Stallbereich, sowie auch die neue Treppenanlage in der Südostecke des Barns. Die Baubeschreibung von 1863 stellt den Bau jedenfalls schon praktisch vollständig in der heutigen Form dar.

Moderne Veränderungen stellen schließlich die großen Wanddurchbrüche in der Trennwand zwischen Stall und Tenne sowie die weitgehende Erneuerung der Dachbalkenlage 2008-10 dar. In das historische Erscheinungsbild des Baues haben diese Arbeiten nicht wesentlich eingegriffen, so dass in der heutigen Form im Wesentlichen der Bestand des 18. Jahrhunderts (1763/54) in der Überformung des 19. Jahrhundert (1863) überliefert ist.

 

Quelle:
Bauhistorische Untersuchung Unterkirchberg Pfarrstadel (Kirchweg 5/1)
© 2022 Büro für historische Bauforschung, Dr.-Ing. Stefan Uhl
88447 Warthausen   Panoramaweg 31   Tel. 07351/73609

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